Ich hatte mir so oft vorgestellt, wie es sein würde, Mama zu werden. Wie ich meine Babys nach der Geburt auf die Brust gelegt bekomme, ihre Wärme spüre und sie zum ersten Mal in meinen Armen halte. Doch meine Geschichte begann anders. Viel zu früh, viel zu plötzlich.
In der 29+0 Schwangerschaftswoche mussten meine Zwillinge per Kaiserschnitt geholt werden. Ich hatte keine Wahl, mein Körper war nicht mehr in der Lage, sie länger zu tragen. Und so wurden nacheinander zwei winzige Bündel an mir vorbeigetragen. Ich konnte sie nicht sehen, nicht berühren – sie waren schon weg, bevor ich begreifen konnte, dass sie geboren waren.
Tag 1: Zwischen Schock, Schmerzen und Funktionieren
Als ich aus dem OP geschoben wurde, sah ich meine Tochter zum ersten Mal. Sie lag in ihrem Inkubator, winzig klein, umgeben von Schläuchen und einer Atemmaske. Mein Sohn war noch in der Erstversorgung. Mir laufen die Tränen und danach verschwimmt meine Erinnerung, denn ich wollte nur noch schlafen.
Als ich im Aufwachraum aufwachte, stand mein Mann neben mir. Er gab mir einen ersten Bericht über unsere beiden Kämpfer. Ich hörte zu, doch in mir war nur Leere. Der Schock saß tief, während langsam die Schmerzen des Kaiserschnitts einsetzten.
Nach und nach kamen die Schwestern, drückten auf meinen Bauch, überprüften meine Werte. Niemand fragte, wie es mir emotional ging. Nur: „Haben Sie Schmerzen? Tut etwas weh?“
Ja, es tat weh. Aber es war mehr als nur der körperliche Schmerz. Ich fühlte Angst, Wut, Hilflosigkeit – eine tiefe innere Zerrissenheit. Nach nur sechs Stunden sollte ich wieder funktionieren, denn gegen 17 Uhr kamen zwei Schwestern und sagten, ich müsse jetzt aufstehen. In mir schrie alles: „Nein!“, aber ich sagte nichts und versuchte es. Die Schmerzen waren unbeschreiblich. Ich schaffte zehn Schritte, dann durfte ich mich wieder hinlegen.
Ich wollte zu meinen Kindern, aber mein Körper fühlte sich schwer und fremd an und die Müdigkeit war überwältigend.
Tag 2: Der erste Gang zur Intensivstation
Ich konnte es kaum erwarten, meine Babys endlich zu sehen – und doch war da Angst. Was, wenn ich etwas falsch machte? Ich war körperlich schwach, konnte nur im Rollstuhl sitzen.
Der Weg zur Intensivstation war kein einfacher. Man geht nicht einfach hinein – zuerst musste ich mich desinfizieren, eine Haube, Handschuhe, Schuhüberzieher und einen Kittel anziehen. Dann klingeln – und warten.
Als die Tür aufging, trat ich mit Ehrfurcht in das Zimmer. Ich wusste nicht, wo ich hinschauen oder wie ich mich verhalten sollte. Die Schwestern arbeiteten routiniert, während ich mich fehl am Platz fühlte. Die Monitore piepten, mein Kopf rauschte.
Ich durfte meine Kinder noch nicht halten. Die kritische Phase war noch nicht überschritten. Ich stand vor ihnen, aber ich konnte sie nicht in den Arm nehmen.
Mein Mann hatte zwei Tage Vorsprung. Er hatte bereits gelernt, mit dieser Situation umzugehen. Er wusste, wo alles lag, kannte die Abläufe. Ich fühlte mich zurückgelassen, unfertig.
Am Nachmittag durfte mein Mann mit unserer Tochter kuscheln. Ich hätte es auch gekonnt – doch ich konnte nicht. Ich fühlte mich nicht bereit. Ich war emotional überfordert, noch immer in Schock, und mein Sohn war noch nicht über den Berg. Wie sollte ich mit einem Kind kuscheln, während das andere noch so sehr kämpfte?
Tag 3: Entlassen – aber nicht vollständig
Der dritte Tag war mein Entlassungstag. Ich wusste, dass ich gehen musste – aber meine Babys mussten bleiben.
Ich wartete stundenlang auf die Oberärztin, konnte erst am Nachmittag zur Intensivstation. Doch dann hatten die Schwestern keine Kapazität, mir meine Tochter aus dem Inkubator zu heben, sodass ich mit ihr kuscheln konnte.
Ich ging an diesem Tag ohne eine Umarmung, ohne einen Moment der Nähe. Ich fuhr nach Hause mit schwerem Herzen und brennender Sehnsucht.
Mein Körper verließ die Klinik – aber mein Herz blieb dort, bei meinen Kindern.
Die Gefühle einer Frühchen-Mama
Ich habe mich in diesen ersten Tagen oft gefragt: Bin ich schon wirklich Mama?
Ich konnte meine Kinder nicht versorgen, nicht halten, nicht trösten. Ich fühlte mich hilflos, als wäre ich eine Zuschauerin ihres Starts ins Leben.
Aber ich war Mama. Ich war es in jedem Blick, in jedem Gedanken, in jedem stillen Gebet an den Inkubator, in dem sanften Auflegen meiner Hand und dem zarten Streicheln, das ich ihnen im Inkubator gab.
An alle Frühchen-Mamas da draußen:
Es ist okay, wenn du dich nicht sofort wie eine Mama fühlst. Manchmal dauert es ein bisschen, bis das Herz hinterherkommt. 💜
Du machst nichts falsch. Deine Liebe reicht – auch wenn du dein Baby nicht sofort halten kannst. 💜
Jeder kleine Moment zählt. Auch wenn du nur still neben dem Inkubator sitzt – dein Kind spürt dich. 💜
Du bist nicht allein. Es gibt viele Frühchen-Mamas, die diesen Weg verstehen und mitfühlen. 💜
Falls du als Frühchen-Mama Unterstützung suchst, bin ich für dich da. Gemeinsam finden wir Wege, mit den Herausforderungen umzugehen – und die schönen Momente bewusst wahrzunehmen. 💜


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